Nach ein paar wunderbaren Tagen in der Wüste ging es für uns bald in etwas höher gelegene Gebiete – Richtung Lake Tahoe. Bevor es aber so weit war, kamen wir zum allerersten Mal in den Genuss, Halloween am eigenen Leib zu erleben.
Halloween mit Kostüm und Klingelstreich
Halloween ist eigentlich nur eine einzige Nacht, vom 31.10. auf den 1.11. Davor werden die Häuser aber schon aufwendig dekoriert und Süßigkeiten eingekauft, für den Moment, wenn die verkleideten Kinder abends klingeln. In den meisten Geschäften gibt es Deko und alles Mögliche rund um Halloween zu kaufen. Daneben gibt es aber auch spezielle Läden, in denen man wirklich hochwertige und optisch richtig gruselige Masken und Kostüme bekommt, dazu Make-up, Perücken und allerlei Zubehör. Einfache Kostüme gibt es schon ab unter 20 €, nach oben sind kaum Grenzen gesetzt.
Um Trick-or-Treat einmal selbst zu erleben, haben wir Erwachsenen uns für Horror-Clowns entschieden. Das Set aus Maske, Oberteil und Hose hat uns jeweils knapp 60 € gekostet. Frisch aufgebrezelt sind wir nach Sonnenuntergang losgezogen, um die ersten Süßigkeiten einzusammeln. Die Kinder, die wir dabeihatten, haben tatsächlich gesammelt, wir Erwachsenen haben schlicht gruselig ausgesehen und die teils wirklich aufwendige Deko der Nachbarschaft bestaunt. Es war ein tolles Gefühl, einmal Teil dieser Kultur zu sein, die man sonst nur aus Erzählungen oder aus Filmen kennt.
Über die Interstate 80 Richtung Lake Tahoe
Am nächsten Morgen ging es mit dem Auto meiner Cousine los – meine Freundin, meine Cousine, ihr Mann und ich. Über die Interstate 80 bis nach Sacramento und dann weiter über die US-50 bis zum Tahoe Valley. 2021 hatten verheerende Waldbrände rund um den Lake Tahoe gewütet, und als wir die Serpentinen hochgeschlängelt sind, war die Zerstörung noch überall sichtbar – riesige, kahle, tote Flächen in der Landschaft. Schön zu beobachten ist aber, dass sich die Natur nicht unterkriegen lässt: An manchen Hängen zeigte sich bereits wieder sattes Grün.
Lake Tahoe liegt genau auf der Grenze zwischen Kalifornien und Nevada. Wer mehr über diesen bezaubernden Ort erfahren möchte, wird auf der Wikipedia-Seite zum Lake Tahoe fündig. Wir haben nur schnell unser Gepäck in der Hütte meiner Cousine abgelegt und sind gleich weiter Richtung Virginia City in Nevada aufgebrochen.
Virginia City – eine alte Bergbaustadt wie aus dem Westernfilm
Virginia City ist eine alte Bergbaustadt, gegründet im Jahr 1859. Zwar wurde in der Gegend auch Gold gefunden, berühmt wurde die Stadt aber vor allem durch Silber. Wer mehr wissen möchte, findet auf der Wikipedia-Seite zu Virginia City die Hintergründe. Schon die Fahrt dorthin war ein Erlebnis für sich – die Landschaft war genau die, die man aus Westernfilmen kennt.
Unser Highlight auf dem Weg dorthin: Wir sind etwa einem Dutzend Mustangs begegnet, wilden, ungezähmten Pferden, die sich von den vorbeifahrenden Autos überhaupt nicht beirren ließen. Ganz gemütlich sind sie an uns über die Straße gezogen – genau das Bild, das man sonst nur aus dem Fernsehen kennt, nur dass wir es diesmal selbst erleben durften.
Virginia City selbst ist wirklich gut erhalten. Sehr vieles stammt noch aus der Originalzeit. Wo heute Harley-Motorräder parken, wurden früher die Pferde angebunden. Man fühlt sich in dieser Stadt regelrecht in die Zeit zurückversetzt. In den meisten Teilen der USA ist Glücksspiel verboten, in Virginia City kann man dagegen ohne Scham spielen, so viel man möchte. Souvenirs aller Art gibt es reichlich, von Cowboystiefeln bis zum Cowboyhut. In den Bars und Restaurants wird Livemusik geboten, und man kann sich auch in passender Kleidung aus der damaligen Zeit ablichten lassen. Ein wirklich empfehlenswerter Besuch.
Eine Randnotiz noch: Mir ist aufgefallen, dass der Sprit in Nevada deutlich günstiger war als in Kalifornien. Erst im Nachhinein habe ich erfahren, dass Kalifornien die höchste Spritsteuer der gesamten USA hat. Falls es Dich einmal hierher verschlägt, lohnt es sich, den Tank eher auf der Nevada-Seite zu füllen.
Secret Cove und Emerald Bay – zwei Postkartenmotive am See
Am nächsten Tag haben wir die Secret Cove am Lake Tahoe besucht, eine Bucht, die nicht direkt von der Straße aus erreichbar ist. Das Wasser dort ist so klar, wie ich es noch nie in einem See gesehen habe. In der Nähe gibt es einen Parkplatz, von dem aus man die Bucht in etwa 20 Minuten zu Fuß erreicht. Von dort hat man direkte Aussicht auf die Berge der Sierra Nevada auf der anderen Seeseite. Der See wird vom Schmelzwasser der Berge gespeist, sodass das Baden selbst im Sommer wirklich erfrischend ist.
Was auf den ersten Blick nicht auffällt: Die Secret Cove gehört zu den bekanntesten FKK-Stränden am Lake Tahoe. An vielen Tagen ist unbekleidet eher die Regel als die Ausnahme, auch wenn genauso Familien und bekleidete Besucher unterwegs sind. Falls Dir das wichtig ist, plane das für Deinen Besuch am besten mit ein.
Nach diesen vielen beeindruckenden Eindrücken haben wir noch die Emerald Bay besucht. Vom Emerald Bay State Park Lookout aus hat man die beste Aussicht auf die Bucht. Ein Hinweis vorweg: Der Parkplatz dort ist immer sehr stark frequentiert, ein wenig Geduld schadet also nicht.
Rückkehr nach Petaluma und ein Sturm, der die Pläne ändert
Damit neigte sich unser zweiter Tag am Lake Tahoe dem Ende zu, und am nächsten Morgen ging es zurück nach Petaluma. An unserem letzten Tag in den USA wollten wir eigentlich Whale Watching machen. Zu unserem Pech hatte die Wettervorhersage übles Wetter angekündigt. Auf Nachfrage bei Chris' Whale Watching wurde uns bestätigt, dass das Rausfahren aufs Meer bei diesem Wetter schlicht lebensgefährlich gewesen wäre, weshalb an diesem Tag keine Touren angeboten wurden.
Sichtlich enttäuscht, aber mit noch einem Tag vor uns, haben wir kurzerhand entschieden, uns in Petaluma einen Wagen zu mieten und stattdessen nach Santa Cruz zu fahren. Bei einem lokalen Autovermieter vor Ort haben wir uns einen Wagen für heute, morgen und übermorgen gemietet, mit der Option, ihn direkt am Flughafen SFO wieder abzugeben. Dank des Mannes meiner Cousine haben wir dabei besondere Konditionen bekommen: Für den Nissan Sentra – den es in Europa gar nicht gibt – haben wir umgerechnet nur 100 € bezahlt.
Abschied von der Familie und die Golden Gate Bridge im eigenen Wagen
Am nächsten Morgen mussten meine Freundin und ich uns von meiner Cousine und ihrem Mann verabschieden – schweren Herzens und nicht ohne Tränen haben wir uns dann auf den Weg Richtung Süden nach Santa Cruz gemacht. Eine Sache muss ich loswerden: die Golden Gate Bridge mit dem eigenen Wagen zu überqueren, ist schon ein verdammt gutes Gefühl. Man sieht die Brücke schon von Weitem und weiß, dass man sie gleich selbst befahren wird – das ist wirklich etwas, das man nicht alle Tage erlebt.
Eine nasse Überraschung in Pacifica
San Francisco hinter uns gelassen, haben wir im kleinen Örtchen Pacifica am Municipal Pier gehalten. Schon eine Weile hatten wir aus dem Auto beobachtet, wie wild die brodelnden Wellen auf die Küste einschlugen – das wollten wir uns aus der Nähe ansehen. Wir haben in Pier-Nähe geparkt und sind zu Fuß weitergegangen. Kaum am Pier angekommen, erreichte uns eine Riesenwelle und hat uns beide komplett durchnässt. Passiert ist uns nichts, wir mussten aber sofort in trockene Kleidung, um uns nicht zu erkälten. Trotzdem ein tolles Erlebnis – und wir waren im Nachhinein sehr froh, dass wir an diesem Tag nicht aufs offene Meer zum Whale Watching gefahren waren.
Ankunft in Santa Cruz
In frischen, trockenen Klamotten ging es über den Cabrillo Highway weiter nach Santa Cruz. Unsere Unterkunft war diesmal das Ocean Pacific Lodge, gebucht über booking.com. Die eine Nacht hat uns 99 € gekostet, der Parkplatz war bereits mit drin. Die Unterkunft verfügt über einen Pool, den wir Anfang November nicht genutzt haben, die Einrichtung ist mit Wasserkocher und allem Nötigen standesgemäß ausgestattet. Alles war sauber und ein toller Ausgangspunkt, um den Santa Cruz Beach und die Santa Cruz Wharf zu erkunden.
Santa Cruz Beach Boardwalk – Kaliforniens ältester Freizeitpark am Strand
Am Santa Cruz Beach liegt der Santa Cruz Beach Boardwalk, ein Vergnügungspark direkt am Strand. Gegründet 1907, ist er der älteste noch bestehende Freizeitpark am Strand des gesamten Bundesstaats. Der Eintritt ist frei, die Fahrgeschäfte kosten extra. Bekannte Attraktionen sind die historische Holzachterbahn Giant Dipper von 1924 und das alte Looff-Karussell von 1911. Wegen des schlechten Wetters war der Vergnügungspark bei unserem Besuch leider geschlossen.
An der Beach Street findet man einige Restaurants und damit sicher auch etwas für den eigenen Gaumen. Wer eher auf Aktivitäten drinnen steht, kann sich im Boardwalk Bowl die Zeit vertreiben.
Santa Cruz Wharf – Souvenirs, Seafood und überraschend viele Seehunde
Nach einer kleinen Stärkung an der Beach Street sind wir weiter zur Santa Cruz Wharf gegangen. Dort findet man einige Souvenirgeschäfte und Seafood-Restaurants. Eine Sache hat uns total überrascht: Die Santa Cruz Wharf ist ein Pier, der weit ins Meer hinausragt, und zu unserer Überraschung war er voller Seehunde, die entspannt auf dem Gerüst darunter lagen.
Ein letzter Morgen am West Cliff Drive
Am nächsten Morgen haben wir noch kurz den West Cliff Drive erkundet, bis zur „To Honor Surfing"-Statue haben wir es aus Zeitgründen aber nicht mehr geschafft. Während wir den West Cliff Drive hoch und runter liefen, konnten wir etliche Surfer im Wasser beobachten, wie sie geduldig auf ihre perfekte Welle warteten.
Rückgabe des Mietwagens und ein Abschied auf Zeit
Dann war es auch schon Zeit, die Koffer zu packen und uns auf zum SFO-Flughafen zu machen. Die Rückgabe des Fahrzeugs war super einfach, die ganze Prozedur hat keine fünf Minuten gedauert. Für Sprit von Petaluma nach Santa Cruz und weiter zum SFO haben wir etwa 25 € ausgegeben.
Dann hieß es wieder einmal Abschied nehmen – für rund vier Monate, bis wir uns Ende Februar in Thailand wiedersehen würden.
Was diese Etappe gekostet hat
| Posten | für | Preis |
|---|---|---|
| Halloween-Kostüme, Horror-Clown (Maske, Oberteil, Hose) | 2 Personen | ca. 120 € |
| Mietwagen Petaluma, Nissan Sentra, 3 Tage, Rückgabe am SFO | 1 Fahrzeug | 100 € |
| Lake Tahoe, Virginia City, Emerald Bay, Secret Cove | 2 Personen | frei |
| Whale Watching Monterey | 2 Personen | entfallen (Wetter) |
| Ocean Pacific Lodge, Santa Cruz, 1 Nacht inkl. Parkplatz | 2 Personen | 99 € |
| Santa Cruz Beach Boardwalk | 2 Personen | Eintritt frei, Fahrgeschäfte extra |
| Benzin Petaluma–Santa Cruz–SFO | 1 Fahrzeug | ca. 25 € |
In Summe rund 344 € für diese letzte Etappe – die günstigste der ganzen Reise, weil die stärksten Eindrücke hier kostenlos waren: wilde Mustangs, eine Geisterstadt aus dem Westernfilm, kristallklares Wasser und eine Welle, die uns beide bis auf die Haut nass gemacht hat. Alle Beträge sind in Euro angegeben; einen Teil zahlst Du vor Ort in Dollar, die Summe schwankt also mit dem Wechselkurs. Nicht eingerechnet sind die Süßigkeiten für Halloween, die bei der Familie mitgelaufen sind, und das Whale Watching, das wegen des Wetters ausgefallen ist.
Alle Buchungslinks auf einen Blick
- Unterkunft Santa Cruz: Ocean Pacific Lodge über booking.com
- Whale Watching (wetterabhängig): Chris' Whale Watching
- Hintergrund Lake Tahoe: Wikipedia
- Hintergrund Virginia City: Wikipedia
- Bowling in Santa Cruz: Boardwalk Bowl
Damit endet unsere USA-Westküste-Reise – von der überraschenden Business-Class in San Francisco über die Wüstenhitze von Las Vegas und den Grand Canyon bis zu Halloween, wilden Pferden und einer nassen Überraschung in Pacifica. Zwei Wochen, vom 24. Oktober bis zum 7. November, komplett selbst geplant, jede einzelne Station eine eigene Entscheidung.
Und wenn Du nach allen drei Teilen denkst „so eine Reise will ich auch, aber selbst zusammenstellen traue ich mir nicht zu": Genau das ist meine Arbeit. Das erste Gespräch kostet nichts.




